Spermiogramm bei unerfülltem Kinderwunsch: Ablauf und Auswertung

Grafische Darstellung von Spermien

Ein Spermiogramm gibt Auskunft über die Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit des Mannes. Die Ursachen für Fruchtbarkeitsstörungen liegen nämlich zu etwa 40 % beim Mann, zu 40 % bei der Frau und zu 20 % bei beiden Partnern.  

Gerade wenn der ersehnte Kinderwunsch länger auf sich warten lässt, ist ein Spermiogramm hilfreich. Wir verraten Euch, wie die Spermauntersuchung abläuft und wie die Ergebnisse ausgewertet werden. Und natürlich wie man(n) die Spermaqualität verbessern kann – damit Ihr Eurem Wunschkind ein Stückchen näher kommt!

Was ist ein Spermiogramm?

Ein Spermiogramm, auch Spermatest oder Spermienanalyse genannt, ist eine Untersuchung des Ejakulats im Labor. Sie wird durchgeführt, um die Spermaqualität und Zeugungsfähigkeit des Mannes zu überprüfen. Wenn es bei Euch mit dem Schwangerwerden nicht klappen will, ist eine Spermauntersuchung sinnvoll.

Das Spermiogramm gibt Aufschluss über die Spermienanzahl (Quantität), deren Form (Morphologie) und Beweglichkeit (Motilität). Das Ergebnis zeigt Euch, wie wahrscheinlich es für Euch ist, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Außerdem kann geschaut werden, welche Kinderwunschbehandlung für Euch infrage kommt.

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Wie hoch sind die Kosten für ein Spermiogramm

Ein Spermiogramm kostet normalerweise zwischen 60 und 90 Euro. 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Gesetzlich versichert? Dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Spermiogramm in voller Höhe, wenn Ihr schon länger vergeblich versucht, schwanger zu werden. Am besten ruft Ihr kurz bei der Krankenkasse an und fragt nach einer schriftlichen Zusage der Kostenübernahme.

Privat versichert? Dann fallen Kosten nach der Gebührenordnung für Ärzte an. Sprecht am besten mit dem Arzt über die Kostenfrage.

Welcher Arzt ist für die Durchführung des Spermiogramms zuständig?

Ein Spermiogramm wird normalerweise bei einem Facharzt für Männer, also bei einem Urologen oder Andrologen, durchgeführt. Außerdem könnt Ihr für diesen Fruchtbarkeitstest auch direkt eine Kinderwunschklinik aufsuchen.

Wie ist der Ablauf eines Spermiogramms?

Am Tag des Spermiogramms wird durch Masturbation eine Samenprobe abgegeben. Meist bekommt der Mann dafür in der Praxis einen ruhigen Raum zur Verfügung gestellt. Auf Wunsch darf die Partnerin mitkommen.

Wichtig ist, dass vorher Hände und Penis gründlich gewaschen werden. Es darf kein Gleitgel verwendet werden, da dies die Beweglichkeit der Spermien hemmen kann. Das gesamte Ejakulat muss in einem sterilen Gefäß aufgefangen werden.

Kann ich den Spermatest auch Zuhause durchführen?

Ja, es gibt verschiedenen Möglichkeiten diesen auch Zuhause in gewohnter Umgebung durchzuführen. Sprecht mit Eurem Arzt über die verschiedenen Möglichkeiten:

  • Die Spermaprobe kann zu Hause durch Selbstbefriedigung erstellt werden
  • Wenn Masturbation nicht infrage kommt, könnt Ihr den Samen mit einem Spezialkondom beim Sex auffangen
  • Wichtig ist, dass das Sperma ganz frisch – innerhalb von 30 bis 60 Minuten – bei Körpertemperatur ins Labor gebracht wird

Wie bereitet man sich auf das Spermiogramm vor?

Damit das Testergebnis der Spermienanalyse aussagekräftig ist, darf drei bis fünf Tage vor der Probe kein Samenerguss stattfinden. Diese Zeit nennt man Karenzzeit. Verzichtet also während dieser Tage auf Sex und Masturbation.

Länger als sieben Tage darf die Karenzzeit allerdings auch nicht sein. Nach sieben Tagen Enthaltsamkeit verschlechtert sich nämlich die Beweglichkeit der Spermien. Das kann das Ergebnis verfälschen.

Wie läuft die Spermienanalyse im Labor ab?

Die eigentliche Untersuchung – die Samenanalyse – beginnt nach Abgabe der Probe im Labor. Je nach Labor bekommt Ihr das Ergebnis nach 1-7 Tagen.

Die makroskopische Untersuchung

Der erste Teil der Untersuchung, die makroskopische Analyse, wird ohne Mikroskop durchgeführt. Dabei wird das Sperma mit dem bloßen Auge analysiert. Folgende Eigenschaften werden kontrolliert:

  • Volumen: die Menge des Samens, der bei der Ejakulation ausgestoßen wird. Das Volumen wird in Millilitern gemessen. Ab 1,5 ml gilt das Volumen als normal.
  • Verflüssigung: gesundes Sperma sollte flüssig werden, wenn es ca. 20 Minuten bei Raumtemperatur stehen gelassen wird. 
  • Farbe: gesundes Sperma ist grauweiß bis gelblich. Weicht die Farbe ab, kann eine Infektion vorliegen. 
  • Dickflüssigkeit: die vorhandenen Fäden werden untersucht. Ist das Sperma extrem zähflüssig, werden die Fäden gebrochen, damit der Samen frei zirkulieren kann. Sehr zähflüssiger Samen kann ein Hinweis auf Prostataprobleme sein.
  • pH-Wert: der pH-Wert sollte zwischen 7,2 und 8,0 liegen. Eine Abweichung kann auf eine Infektion oder eine gestörte Samenproduktion hinweisen. 

Die mikroskopische Untersuchung

Nach der makroskopischen Untersuchung wird das Sperma unter dem Mikroskop weiter untersucht. Folgende Eigenschaften werden analysiert:

  • Spermienkonzentration: die Spermien werden gezählt. Die Konzentration wird in zwei Werten angegeben: Spermienanzahl pro Milliliter und Spermienanzahl pro Ejakulat. Als normal gelten 15 Millionen Spermien pro Milliliter und insgesamt 39 Millionen Spermien pro Ejakulat.
  • Beweglichkeit oder Motilität: die Bewegungsfähigkeit der Spermien wird analysiert. Es werden zwei Werte untersucht. Für die Gesamtbewegung werden alle Spermien mit Bewegung gezählt. Sie muss 40% erreichen. Für die sogenannte progressive Motilität wird die Vorwärtsbewegung der Spermien angeschaut. Bei gesundem Sperma liegt sie bei mindestens 32%.
  • Häufig wird auch die Art der Fortbewegung analysiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Motilität in vier Kategorien von a bis d (abcd) eingeteilt:
    • a: schnell progressiv (schnelle Vorwärtsbewegung)
    • b: progressiv (langsame Vorwärtsbewegung)
    • c: nicht progressiv (Spermien schwimmen im Kreis, nicht vorwärts)
    • d: immotil (Spermien bewegen sich nicht)
  • Vitalität: wenn viele unbewegliche Spermien vorliegen, wird getestet, wie viele davon lebendig sind. Dafür wird meist ein Färbetest (Eosin-Test) durchgeführt. Nur die toten Samenzellen nehmen die Färbung an. Eine gesunde Samenprobe enthält mindestens 58 % lebende Spermien.
  • Morphologie: die Form der Spermien wird bewertet. Ein gesundes Spermatozoon muss einen normal geformten Kopf, ein Mittelstück (den Hals) und einen Schwanz haben. Eine normale Samenprobe enthält mindestens 4 % normal geformte Samenzellen.
  • Rundzellen: neben Spermien findet man auch andere Zellen im Ejakulat. Zu den Rundzellen gehören Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Epithelzellen und unreife Keimzellen. Die Zahl der Leukozyten sollte höchstens 1 Million Leukozyten pro Milliliter betragen – eine größere Anzahl kann auf eine Infektion hindeuten.

Was ist der MAR-Test?

Der MAR-Test (Mixed Antiglobulin-Reaction-Test) wird durchgeführt, um zu prüfen, ob Sperma-Autoantikörper im Ejakulat zu finden sind. Diese Antikörper entstehen oft durch innere Verletzungen der Samenwege. 

Die Antikörper bleiben an den Spermien haften und es kommt zu Verklumpungen. Die Spermien sind dadurch weniger beweglich. Deshalb dürfen nicht mehr als 50 % der Samenzellen Spermienantikörper tragen.

Normwerte: Wie sind die Ergebnisse des Spermiogramms zu verstehen?

Die Ergebnisse des Spermiogramms zeigen Euch, ob der Mann voll, teilweise oder gar nicht zeugungsfähig ist. Das hilft Euch dabei, die nächsten Schritte für Euren Kinderwunsch zu planen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Normwerte herausgegeben, mit denen die individuellen Werte verglichen werden. Ihr seht die WHO-Referenzwerte jeweils in Klammern rechts neben dem eigenen Ergebnis.

Zur Auswertung werden folgende Normwerte verwendet:

Untersuchter Parameter

WHO-Referenzwert

Volumen

mindestens 1,5 ml

Verflüssigungszeit

20 Minuten; maximal 1 Stunde

Farbe

grauweiß bis gelblich

pH-Wert

7,2 – 8,0

Spermienkonzentration

  • mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter und 
  • insgesamt 39 Millionen Spermien pro Ejakulat

Motilität (Beweglichkeit)

  • Gesamtbewegung: 40 %
    und
  • progressive Motilität (zielgerichtete Vorwärtsbewegung): 32 %

Vitalität

mindestens 58 % der Spermien müssen lebendig sein

Morphologie

mindestens 4 % normal geformte Spermien

Leukozyten (Rundzellen)

maximal 1 Million Leukozyten (weiße Blutkörperchen) pro Milliliter

MAR-Test

weniger als 50 % Spermien mit Auto-Antikörpern

Auf der Basis des Spermiogramms können verschiedene Diagnosen gestellt werden. Zu diesen zählen:

  • Normozoospermie: normale Samenprobe 
  • Oligozoospermie: zu wenig Spermien
  • Asthenozoospermie: eingeschränkt bewegliche Spermien
  • Teratozoospermie: zu viele verformte Spermien (abnorme Morphologie)
  • Oligo-Astheno-Teratozoospermie: zu wenige, eingeschränkt bewegliche und fehlgebildete Spermien
  • Nekrospermie: zu wenig lebende Spermien
  • Azoospermie: keine Spermien im Ejakulat

Was kann man tun, um das Spermiogramm zu verbessern?

Die gute Nachricht: ein schlechtes Spermiogramm stellt nur eine Momentaufnahme dar und kann verbessert werden

Spermien bilden sich immer wieder neu. Der gesamte Entwicklungs- und Reifeprozess der Spermien dauert etwa drei Monate. Es lohnt sich also, das Spermiogramm nach 8-12 Wochen zu wiederholen.

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